Am Tag der Deutschen Einheit waren wir am Point Alpha – dort, wo sich Ost und West jahrzehntelang direkt gegenüberstanden. Geparkt haben wir unten in Geisa und sind zu Fuß hinaufgelaufen: gut sechs Kilometer, unten Nebel, oben Sonne.
Die Runde in Kürze
6,6 km · rund 140 Höhenmeter · knapp 2 Stunden Gehzeit · leicht
Start und Ziel: Geisa · Die Runde bei Komoot →

Unten Nebel, oben Sonne: der Weg ab Geisa
Geisa lag an diesem Morgen komplett im Nebel, vom Kirchturm war nur ein Schatten zu sehen. Der Weg führt aus dem Städtchen hinaus und über Wiesen bergan, ein gutes Stück davon auf dem Point-Alpha-Weg mit dem roten P. Nach gut anderthalb Kilometern steht eine Schutzhütte am Weg – und genau dort riss bei uns der Nebel auf. Oben an der Gedenkstätte war der Himmel blau.
Anstrengend ist die Runde nicht: Die rund 140 Höhenmeter verteilen sich fast alle auf den Hinweg, die Wege sind überwiegend fest. Wir waren mit allen Stopps und der Pause etwa zwei Stunden unterwegs, ohne Museumsbesuch.





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An der alten Grenze
Oben kommst du zuerst am Denkmal der deutschen Teilung und Wiedervereinigung vorbei. Bei uns lagen dort noch die Kränze vom Festakt am Vortag. In das Holz sind zwei Sätze geschnitten, die jeder kennt: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ und „Wir sind ein Volk“.
Ein paar Schritte weiter steht man zwischen den Fronten. Auf hessischer Seite ragt der Beobachtungsturm des US-Camps über den Zaun, davor steht ein schwarz-rot-goldener Grenzpfahl der DDR. Auf thüringischer Seite steht der Betonturm der DDR-Grenztruppen. Point Alpha war einer der wichtigsten Beobachtungsposten der US-Armee: Hier, im sogenannten Fulda Gap, rechnete die NATO im Ernstfall mit dem Vorstoß des Warschauer Pakts. Bis 1990 waren amerikanische Soldaten auf dem Posten.
Entlang des Kolonnenwegs siehst du, wie die Grenze über die Jahrzehnte aufgerüstet wurde: zuerst Stacheldraht an Holzpfählen, später der über drei Meter hohe Metallgitterzaun, dazu Hundelaufanlage und Wachturm. Die Tafeln des Grenzlehrpfads erklären, was man vor sich hat. Das Beklemmende ist, wie unscheinbar das alles in der Landschaft steht – eine Wiese, ein Zaun, und dahinter ging es nicht weiter.







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Haus auf der Grenze und US-Camp: das Museum
Die Gedenkstätte hat zwei Häuser. Das blaue Haus auf der Grenze steht auf thüringischer Seite direkt am Kolonnenweg. Es erzählt vom Grenzregime der DDR, vom Leben im Sperrgebiet und von den Monaten 1989/90; eine weitere Ausstellung zeigt, wie aus dem Todesstreifen das Grüne Band wurde. Im US-Camp auf hessischer Seite sind Baracken, Turm, Fahrzeuge und ein Hubschrauber erhalten.
Geöffnet ist täglich, im Winter kürzer und von Dezember bis Februar montags nicht. Aktuelle Zeiten und Eintrittspreise stehen auf pointalpha.com. Wir sind diesmal draußen geblieben – für die Ausstellungen würde ich noch einmal gut zwei Stunden einplanen.

Pause an der Bar89

Gleich neben dem Haus auf der Grenze steht seit Mai 2026 die Bar89 – ein kleiner Ausschank mit Liegestühlen, benannt nach dem Jahr der Grenzöffnung. Es gibt kalte Getränke, Bier vom Fass aus Fulda, Eis und Kleinigkeiten. Geöffnet ist an Wochenenden und Feiertagen, solange die Saison läuft. Für eine Pause auf halber Strecke liegt sie genau richtig.
Dort haben wir auch einen Tipp bekommen: das Black Horse Inn im US-Camp, früher das Freizeitgebäude der Soldaten, heute ein Lokal mit Burgern, Chicken Wings und amerikanischen Süßigkeiten, im Sommer mit Biergarten auf dem alten Basketballplatz. Zuletzt war es nur freitags bis sonntags offen, also vorher nachsehen. Das hole ich nach.
Weg der Hoffnung und Grünes Band
Vom Haus auf der Grenze folgt die Runde ein gutes Stück dem Weg der Hoffnung. Auf 1.400 Metern – ein Meter für jeden Kilometer der innerdeutschen Grenze – stehen 14 monumentale Figuren aus Eisen. Der Bildhauer Ulrich Barnickel hat sie wie die Stationen eines Kreuzwegs angelegt; sie erinnern an den Widerstand gegen die Diktaturen in Mittel- und Osteuropa, vom Aufstand 1953 in der DDR bis 1989.
Die Figuren stehen auf dem früheren Todesstreifen, daneben läuft der alte Kolonnenweg aus Lochbetonplatten. Du gehst hier auf dem Grünen Band: Der ehemalige Grenzstreifen ist in Thüringen und in Hessen als Nationales Naturmonument geschützt.



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Zwei Extratouren kreuzen sich hier
Am Wegweiser, knapp einen Kilometer hinter dem Haus auf der Grenze, ist mir aufgefallen, dass sich am Point Alpha gleich zwei Extratouren treffen: der Point-Alpha-Weg ab Geisa (rotes P, knapp 15 Kilometer) und Der Rasdorfer ab dem Rasdorfer Anger (rotes R, gut 15 Kilometer). Wer mehr will als unsere kleine Runde, hat hier also zwei ausgewachsene Tagestouren zur Auswahl.
Eckdaten, Startpunkte und die Links zu den Tourdaten stehen in meiner Übersicht aller Extratouren der Rhön.

Den Point-Alpha-Weg kenne ich schon: Im April 2021 bin ich die Extratour gelaufen, damals mit zwei Hunden im Schlepptau. Sie holt deutlich weiter aus als unsere kleine Runde – durch lichten Buchenwald, über Wiesen mit weiter Sicht in die Kuppenrhön und am Ende zurück nach Geisa.




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Zum Hören
Wie die Grenze die Rhön geteilt hat und was aus dem Todesstreifen geworden ist, erzählt eine RHÖNcast-Folge über das Grüne Band. Das Grüne Band → Alle Folgen und Plattformen: RHÖNcast auf FuldaRhön →
Geisa und Rasdorf: was sich drumherum lohnt

Geisa ist nach der Runde einen Gang durch die Altstadt wert: der Marktplatz mit Rathaus und Sandsteinbrunnen, die Stadtkirche mit ihrem Fachwerk-Turmaufsatz, der Schlossplatz mit dem Schloss, in dem heute die Point Alpha Akademie sitzt. Zu DDR-Zeiten lag die Stadt im Sperrgebiet und galt als westlichste Stadt des Warschauer Pakts. Als wir zurückkamen, war der Nebel weg.
Rasdorf liegt auf der hessischen Seite. Der Anger gilt als größter Dorfanger Hessens, dazu kommen die Stiftskirche mit ihren alten Säulenkapitellen und der Wehrfriedhof mit Mauer und vier Türmen. Auf den Gehilfersberg mit seiner Wallfahrtskapelle führt vom Anger ein gut drei Kilometer langer Pilgerweg.
Zum Einkehren nach der Runde: Die Stadt Geisa führt eine Liste der Gaststätten, die Gemeinde Rasdorf ebenfalls unter Essen, Trinken, Schlafen.
Noch eine Idee: Wandern mit Alpakas
Rund um Geisa war ich schon einmal ganz anders unterwegs: Im September 2019 sind wir bei Borsch, zwei Kilometer von Geisa entfernt, mit Alpakas gewandert. Die Tiere laufen an der Leine mit – gemütlicher kann man kaum wandern. Angeboten werden solche Touren von der Alpakawiese Rhön in Borsch, nach Absprache.




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Anfahrt und Parken
Von Fulda bist du mit dem Auto in gut einer halben Stunde da, über Hünfeld und die B 84 Richtung Rasdorf.
- Geisa, für diese Runde: Wir haben im Ort geparkt und sind von dort losgelaufen. Die Stadt nennt für Wanderer unter anderem den Parkplatz am Kulturhaus.
- Haus auf der Grenze (Platz der Deutschen Einheit 1, Geisa): Parkplatz direkt am Museum – für alle, die nicht den Berg hinauflaufen wollen.
- US-Camp (Hummelsberg 1, Rasdorf): Parkplatz mit Ladesäule für E-Autos.
Mit dem Bus geht es von Hünfeld über Rasdorf Richtung Geisa. An Wochenenden und Feiertagen fährt wenig, deshalb vorher die Fahrpläne ansehen.
Für wen die Runde passt – und wann
Die Runde ist leicht und auch mit Kindern gut zu gehen, die an Türmen, Zaun und Figuren genug zu schauen haben. Wer nicht gut zu Fuß ist, parkt oben: Zwischen Haus auf der Grenze und US-Camp ist es nur ein kurzer Spaziergang am Kolonnenweg entlang.
Am schönsten ist klare Sicht, im Herbst kommen die bunten Hecken dazu. Bar89 und Museum haben im Sommerhalbjahr die längeren Zeiten. Und der 3. Oktober ist ein guter Tag für diesen Ort: 2026 gab es dort einen Gottesdienst und einen Familientag im US-Camp.
Wenn in Geisa Nebel hängt, lass dich nicht abschrecken. Bei uns lag das Tal komplett in der Suppe – oben am Point Alpha schien die Sonne.
Weitere Ziele in Fulda, der Rhön und Osthessen findest du in der Übersicht Ausflüge.
