Von Ramsthal zum Wittelsbacher Turm: Weinbergwanderung bei Bad Kissingen

Ramsthal ist ein kleiner Weinort im Landkreis Bad Kissingen, und im Oktober sind seine Hänge so bunt, dass man ständig stehen bleibt. Wir sind an einem Freitag im Herbst von dort hinauf zum Wittelsbacher Turm auf dem Scheinberg gewandert – erst durch die Weinberge, dann auf schmalen Pfaden durch den Wald. Oben gab es eine halbe Ente, unten zum Schluss ein Eis aus dem Bauernladen.

Die Strecke in Kürze

Ramsthal – Wittelsbacher Turm – Ramsthal · rund 9 km · hin 4,6 km mit gut 200 Höhenmetern, zurück gut 4 km über Feld und Wald
Start: Parkplatz am Festplatz in Ramsthal · Trittsicherheit und feste Schuhe nötig · Einkehr am Turm

Durch die Weinberge hinauf

Vom Parkplatz am Ortsrand geht es nur kurz durch den Ort, dann ist man schon zwischen den Reben. Der Weg schlängelt sich in Kehren den Hang hinauf, und mit jeder Kurve wird der Blick über Ramsthal weiter. Mitte Oktober leuchteten die Rebzeilen gelb, orange und rot, über dem Wald gegenüber hing noch der Dunst.

Die Hänge gehören zur Weinlage Ramsthaler St. Klausen: rund 34 Hektar Reben auf Muschelkalk, zum Teil in richtig steilen Lagen nach Süden und Südosten. Hier wachsen unter anderem Silvaner, Müller-Thurgau und Bacchus.

Oben am Hang liegt ein Aussichtspunkt von „terroir f“. So heißen in Franken besondere Orte, an denen man etwas über Weinberg, Boden und Landschaft erfährt. Es gibt Stelen mit Infotafeln, drei große Fahnen, Trockenmauern, einen offenen Pavillon und Bänke mit Blick auf den Ort – ein guter Platz für die erste Pause.

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Auf schmalen Pfaden hoch und runter

Hinter den Weinbergen wird es wilder. Wir sind keiner fertigen Tour gefolgt, sondern haben uns den Weg mit Google Maps gesucht – und sind auf schmalen Pfaden gelandet, die durch den Wald und über Wiesenhänge immer wieder hinauf- und hinunterführen. Zwischendurch geht es noch einmal gut 50 Meter bergab, bevor der letzte Anstieg zum Scheinberg beginnt.

Das ist schön, aber kein Spaziergang: Manche Stellen sind steil, mit Laub rutschig oder führen schräg über den Hang. Mit Trittsicherheit und festen Schuhen ist das gut machbar, mit Kinderwagen oder in Turnschuhen eher nicht.

Unterwegs kommt man am Rand von Wirmsthal vorbei, ebenfalls ein Winzerdorf. Dort hängt an einem Gartenzaun ein Schild, das man nicht verpassen sollte: „Unkraut zum Selberpflücken kostenlos abzugeben!“

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Am Wittelsbacher Turm

Der Turm steht auf dem rund 400 Meter hohen Scheinberg über Bad Kissingen und dem Tal der Fränkischen Saale. Die Bürger von Bad Kissingen ließen ihn 1906/07 bauen – zum 100-jährigen Bestehen des Königreichs Bayern und als Dank an die Wittelsbacher, die viel für den Kurort getan hatten. Er ist 33 Meter hoch und aus Muschelkalk und Buntsandstein gebaut; innen führen 120 Stufen zu einer Plattform in 25 Metern Höhe.

Direkt daneben liegt die Gaststätte „Zum Wittelsbacher Turm“. Innen tragen Baumstämme das Dach, darüber hängt Laub – ein bisschen wie im Wald, nur gemütlicher. Auf der Karte stehen fränkische Gerichte und Wild. Ich hatte eine halbe Ente mit Klößen und Wirsing, und die war richtig gut. Bei schönem Wetter sitzt man auch draußen auf der Terrasse.

Geöffnet ist die Gaststätte von Mittwoch bis Sonntag, Montag und Dienstag sind Ruhetage (Stand Oktober 2026). Aktuelle Zeiten und Tischreservierung findest du auf zumwittelsbacherturm.de.

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Zurück über Feld und Wald

Für den Rückweg haben wir einen anderen Weg genommen. Vom Turm geht es zuerst ein gutes Stück auf der Zufahrtsstraße bergab, vorbei am Gewerbegebiet. Danach quert man die Landstraße und läuft auf Feld- und Waldwegen hinunter nach Ramsthal. Das ist weniger aufregend als der Hinweg, aber angenehm zu gehen. Wir sind zwischendurch ein Stück querfeldein abgekürzt – auf der Karte ist stattdessen der Weg eingezeichnet.

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Zurück in Ramsthal: Eis, Wurst und Wein

Zurück im Ort lohnt sich ein Blick an der Hauptstraße: Dort steht ein kleiner Bauernladen mit Eisschrank und Kleinigkeiten vor der Tür. Unser Krokant-Eis nach neun Kilometern war genau richtig.

Am Parkplatz stehen außerdem zwei Automaten mit Wurst, Wein und anderen Produkten aus der Gegend – praktisch, falls man nach der Tour noch etwas mitnehmen möchte.

Heckenwirtschaften: Wein dort, wo er wächst

Ramsthal und seine Nachbardörfer sind Winzerorte, und im Frühjahr und Herbst öffnen hier die Heckenwirtschaften. So heißen in Franken die kleinen Ausschänke, in denen Winzer ihren eigenen Wein ausschenken – im Hof, in der Scheune oder in der Stube, dazu gibt es Brotzeit und einfache warme Gerichte. Offen haben sie nur wenige Wochen im Jahr, meist am Wochenende und oft erst ab dem Nachmittag oder Abend. Welche gerade geöffnet hat, verraten Aushänge im Ort und die Seiten der Weingüter.

Bei unserer Wanderung hatte gerade eine Heckenwirtschaft in Ramsthal geöffnet, allerdings erst ab dem späten Nachmittag – wir waren zu früh dran. Wer die Tour mit einem Schoppen beenden möchte, startet also besser erst gegen Mittag.

Weitere Wege rund um Ramsthal

Wer lieber markierten Wegen folgt, hat in Ramsthal die Wahl: Ausgeschildert sind unter anderem der Schoppen-, der Urbanus- und der Bacchus-Rundweg durch die Weinberge, dazu der Poetische Waldwanderweg. Der Schoppen-Rundweg ist knapp 7 Kilometer lang und mit Traubensymbolen markiert – eine Beschreibung gibt es bei ich-geh-wandern.de.

Anfahrt und Parken

  • Ramsthal liegt im Landkreis Bad Kissingen, südlich von Bad Kissingen in einem Seitental der Fränkischen Saale.
  • Geparkt haben wir auf dem großen Parkplatz am Festplatz und Wohnmobilstellplatz am westlichen Ortsrand. Gleich gegenüber stehen die Automaten.
  • Zum Turm kommt man auch mit dem Auto (Wittelsbacher Turm 1, Bad Kissingen) – dann allerdings ohne die Weinberge.

Für wen und wann

Die Runde passt für alle, die gern etwas Abwechslung unter den Füßen haben: Weinberge, Wald, Aussicht und eine Einkehr in der Mitte. Für den Hinweg haben wir knapp anderthalb Stunden reine Gehzeit gebraucht, für die ganze Runde mit Essen gut vier Stunden.

Am schönsten ist es im Oktober, wenn sich die Reben färben. An heißen Sommertagen ist der Aufstieg durch die Weinberge ohne Schatten dagegen ziemlich anstrengend.

Plane die Einkehr nach der Uhrzeit: Am Turm gibt es ab mittags warme Küche, die Heckenwirtschaften in Ramsthal öffnen oft erst am späten Nachmittag. Wer spät startet, kann beides mitnehmen.

Weitere Ziele in Fulda, der Rhön und Osthessen findest du in der Übersicht Ausflüge.